Starke Niederschläge problematisch : Auch Zernin erliegt dem Wasser

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Nicht nur in Dreetz machen den Anwohnern starke Niederschläge zu schaffen.

„Wir müssen immer den Wetterbericht verfolgen, um zu entscheiden, können wir wegfahren oder müssen wir Gewehr bei Fuß stehen?“, sagt Norbert Mierswa. Er lebt in Zernin in der Hauptstraße. Eine Straße, die bei Starkregen gebeutelt ist. Denn nicht nur in Dreetz lief Wasser von den Feldern in das Dorf, wie wir berichteten, sondern auch in Zernin. Noch immer sind die Höfe vieler Anwohner von den Ereignissen der Vorwoche gezeichnet. An den Hecken ist unten ein ganzes Stück bräunlich verfärbt. So hoch stand dort das Wasser.

Ablauf ist überfordert

Das Problem, so berichtet der Zerniner, sei der kleine Graben hinter seinem Grundstück in der Hauptstraße. Dieser diene eigentlich als Ablauf für den Löschteich. Doch bei Starkregen, wie er in letzter Zeit gleich mehrfach einsetzte, fließt das Wasser vom Acker ortsausgang über die Straße und in den Löschteich. Und der Ablauf ist mit den Wassermassen heillos überfordert. Auf seinem Hof habe „die braune Jauche“ gestanden, berichtet Norbert Mierswa. Erdbeeren und die angepflanzten Salate waren geflutet. Der Teich ist noch immer braun.

Spuren der „braunen Jauche“ weist der normalerweise klare Teich von Norbert Mierswa (l.) auf. Bei seinem Nachbarn Detlef Termer stand das Wasser während der starken Niederschläge ebenfalls auf dem Hof.

Auch der Teich von Nachbar Detlef Termer ist noch braun. Normalerweise schwimmen darin knapp 15 Koi-Fische. Die sind nicht billig und empfindlich. Bislang sah er nur noch einen Fisch. Detlef Termer fürchtet, dass die anderen einfach weggespült worden sein könnten. Denn das Wasser habe so hoch gestanden, dass es ihm sogar in die Gummistiefel gelaufen sei. Bis 23 Uhr seien er und weitere Familienmitglieder mit zwei Pumpen im Einsatz gewesen, um der Flut Herr zu werden.

„Es wird gar nichts mehr sauber gemacht“

Am Ortsausgang zeigen die beiden Zerniner dem Reporter, von wo aus die Wassermassen in Richtung Dorf zogen. „Lübziner Weg“ werde die Straße genannt. Und die beiden sind sich sicher, dass es alles andere als förderlich sei, dass die Gräben dort am Feldrand zugewachsen sind. „Mittlerweile ist alles kaputt und zugewuchert“, sagt Norbert Mierswa, „es wird gar nichts mehr sauber gemacht“.

Der Landwirt, der den Acker bewirtschaftet, stößt zufällig dazu. Als erstes räumte er mit den Bedenken der beiden Zerniner auf, ihre angebauten Pflanzen nicht mehr essen zu können. Die beiden hätten gesehen, wie der Mais auf dem Feld kurz vor der Flut gespritzt worden sei. „Na klar, das ist ja zugelassen“, entgegnet der Landwirt, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Der Landwirt äußert sein Bedauern darüber, dass die Anwohner nicht einfach zu ihm gekommen sind. Schließlich fahre er „50 Mal am Tag durchs Dorf“, jeder kenne ihn eigentlich. Und auch wenn es vielleicht gar nicht seine Baustelle sei, so könne er aber zügig dafür sorgen, dass etwas passiert. Er nimmt sich selbst aber auch in Schutz. „Wenn auf ein Mal so viel Wasser herunter kommt, was soll man da machen? Irgendwo muss das Ackerwasser ja hin.“ Ob da nun Mais wachse oder etwas anderes, Oberflächenwasser gebe es so oder so.

Erste Maßnahmen in Dreetz

Auch in Dreetz seien indes bereits Maßnahmen getroffen worden, erklärt der Landwirt. Die Bauern seien nämlich durchaus daran interessiert, dass der Haussegen zwischen allen Parteien grade hängt. In Dreetz wurden ebenfalls Wassermassen auf die Straße und ins Dorf gespült. Das Problem sei gewesen, dass das Feld relativ frisch bestellt gewesen sei, erklärt Eckhard Meiners, der die Flächen dort bewirtschaftet. Etwa vier Zentimeter hoch habe das Wasser auf dem Acker gestanden, junge Pflanzen hätten dafür nicht die ausreichende Wurzelkraft entwickelt. Eckhard Meiners warnt jedoch vor „blindem Aktionismus“. Entscheidend sei nun, „sachlich, fachlich und kompetent“ mit den zuständigen Personen zu reden und korrekt zu handeln. Mit dem Bürgermeister, Gunter Brietzke, sei er bereits im Gespräch.

Ingo Sander, Bürgermeister der Gemeinde Tarnow, weiß um die Problematik in Zernin. Er ahnt, dass die Wetterkapriolen noch zunehmen werden. „Das wird noch öfter und an verschiedenen Orten passieren.“ Die dafür vorgesehenen Anlagen seien für so etwas nicht ausgelegt. Er moniert aber auch, dass bei Gewässerschauen der Wasser- und Bodenverbände im Prinzip nie jemand anwesend sei. Da könne man das Problem direkt zeigen. Sander weiß aber um die Problematik und will das Thema mit in die Gemeindevertretung nehmen.

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